Thema:  Die Hemiptera-Sammlung >  Autothysis bei Insekten

Südostasiatische Ameise - Explodierende Ameise

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Arbeiterin von Colobopsis sp. "YG“ mit charakteristisch erhobenem Hinterleib; Foto: H. Wiesbauer
Arbeiterin von Colobopsis sp. "YG“ mit charakteristisch erhobenem Hinterleib; Foto: H. Wiesbauer
Verhaltensexperimente mit COCY-Ameisen und der Weberameise; Foto: A. Kopchinskiy
Verhaltensexperimente mit COCY-Ameisen und der Weberameise; Foto: A. Kopchinskiy
Kuala Belalong Field Studies Centre, Brunei Darussalam; Foto: A. Kopchinskiy
Kuala Belalong Field Studies Centre, Brunei Darussalam; Foto: A. Kopchinskiy

Die südostasiatischen Ameisen aus der Colobopsis cylindrica-Gruppe (COCY) sind auch als "explodierende Ameisen“ bekannt. Bei Kämpfen können sie ihren eigenen Körper zum Bersten bringen (Autothysis) und dabei das klebrige, giftige Sekret ihrer vergrößerten Mandibeldrüsen über den Feind ergießen, was meist zum Tod beider Gegner führt (MASCHWITZ & MASCHWITZ 1974; DAVIDSON et al. 2012).

Obwohl sie in ihrem Lebensraum eine der dominanten Organismengruppen darstellen (DAVIDSON et al. 2007), sind Systematik und Ökologie der etwa 15 – teils noch unbeschriebenen – Arten der COCY Gruppe sowie die Evolution ihres extremen Abwehrmechanismus noch relativ unerforscht. Der Beantwortung dieser offenen Fragen widmet sich seit 2014 das interdisziplinäre WWTF-Projekt "Voluntary Self-Sacrifice in Exploding Ants: a mechanism to defend co-evolved microbiomes?“ an dem Wissenschaftler des NHMW, der TU Wien, des IFA-Tulln (BOKU) und der Universiti Brunei Darussalam beteiligt sind. Um Evolution und Verwandtschaftsverhältnisse der COCY-Ameisen zu beleuchten, setzt das Projekt auf die Kombination klassischer und moderner Methoden:

Während an der TU Wien bestimmte genetische Marker mittels DNA-Barcoding analysiert werden, werden die Tiere am Naturhistorischen Museum unter dem Mikroskop begutachtet und vermessen, um Artunterschiede zu finden. Am IFA-Tulln werden die Sekrete der Mandibeldrüsen chemisch analysiert, um giftige und antimikrobielle Stoffe nachzuweisen. Auch die Kohlenwasserstoffe der Körperoberfläche ("cuticular hydrocarbons“), die den Ameisen als olfaktorische Erkennungsmerkmale dienen, werden zwischen Arten, Kolonien und Kasten verglichen. Da COCY-Ameisen vermutlich nicht oder nur zu geringen Teilen räuberisch leben, geht man davon aus, dass sie sich von Pilzsporen oder mikrobiellen Filmen ernähren. Die Zusammensetzung dieses Mikrobioms wird an der TU Wien erforscht. Zudem finden Exkursionen in das "Kuala Belalong Field Studies Centre“ in Brunei statt, um die Ameisen in ihrem natürlichen Lebensraum zu beobachten, Verhaltensexperimente durchzuführen, Kolonien zu lokalisieren, künstliche Nester zu installieren und Material für die weitere Forschung zu sammeln.

Datierung

2014

Fundort

Südostasien > Asien

± 10900 km vom NHM entfernt

Kurator

Alice Laciny

2. Zoologie (Insekten)

Abteilung / Sammlung

2. Zoologie (Insekten) > Hymenoptera

Website Abteilung

NHM - 2. Zoologie (Insekten)

Website Sammlung

NHM - Sammlung Hymenoptera

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Zitate

MASCHWITZ U. & MASCHWITZ E. (1974). Platzende Arbeiterinnen: eine neue Art der Feindabwehr bei sozialen Hautflüglern. Oecologia, 14(3): 289-294.
DAVIDSON D.W., LESSARD J.P., BERNAU C.R. & COOK S.C. (2007). The tropical ant mosaic in a primary Bornean rain forest. Biotropica 39(4): 468-475.
DAVIDSON D.W., SALIM K. A. & BILLEN J. (2012). Histology of structures used in territorial combat by Borneo’s ‘exploding ants’. Acta Zoologica, 93(4): 487-491.

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