Thema:  Mineralien aus Österreich

Schwazit

Hg1-2Cu11-10(As,Sb)4S13, kubisches Kristallsystem
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Schwazit (Ak207): Foto: A. Schumacher, NHM Wien
Schwazit (Ak207): Foto: A. Schumacher, NHM Wien
Themenschau: Jakob Friedrich van der Nüll, Saal IV, Wandvitrinen 186 - 188; Foto: A. Schumacher, NHM Wien
Themenschau: Jakob Friedrich van der Nüll, Saal IV, Wandvitrinen 186 - 188; Foto: A. Schumacher, NHM Wien

Das kleine Matrix-Stück von ca. 5 x 4.5 x 4 cm ist mit mehreren bis zu 1.5 cm großen, sehr gut ausgebildeten Kristallen besetzt und zählt zu den Raritäten der Wiener Sammlung. Die häufigsten Mineralien der Fahlerz-Gruppe sind Mischkristalle zwischen Tetrahedrit (Cu12Sb4S13) und Tennantit (Cu12As4S13), welche aufgrund ihres Silbergehalts nicht nur Kupfer-, sondern auch wichtige Silbererze sind. In Schwaz in Tirol erstreckt sich im devonischen Schwazer Dolomit eine ausgedehnte schichtgebundene Fahlerz-Vererzung. Obwohl der durchschnittliche Silber-Gehalt dieser Lagerstätte nur 0.5 Gew. % beträgt, zählte Schwaz aufgrund der riesigen Abbaumengen im 15. und 16. Jahrhundert zu den größten Silberminen Europas. Der damalige Erzbergbau und vor allem das hier aus dem Fahlerz gewonnene Silber ermöglichten den Habsburgern, ihre Vormachtstellung in Europa auszuweiten. Das Fahlerzvorkommen von Schwaz ist darüber hinaus die Typlokalität von quecksilberhaltigem Tetrahedrit, welcher von Gustav Adolf Kenngott (1818 – 1897), im Jahr 1853 erstmals als Schwazit bezeichnet wurde. Nach der heute gängigen Nomenklatur muss ein Fahlerz, welches als Schwazit bezeichnet wird, mehr als ein Quecksilberatom pro Formeleinheit aufweisen, was mindestens der Formel Hg1-2Cu11-10 (As,Sb)4S13 entspricht. Da die Fahlerze von Schwaz nicht so hohe Quecksilbergehalte aufweisen, dürften sie eigentlich nicht mehr als Schwazit angesprochen werden.

Datierung

1827

Fundort

Schwaz > Tirol > Österreich

± 360 km vom NHM entfernt

Größe

5 x 4.5 x 4 cm

Kurator

Vera M. F. Hammer

Mineralogie-Petrographie

Abteilung / Sammlung

Mineralogie-Petrographie > Mineralien

Sammlungseingang: Im Jahr 1827 wurden aus der Verlassenschaft von Jacob Friedrich van der Nüll (1750-1823) ca. 5.000 Mineralien vom damaligen k. k. Hof-Mineralienkabinett um 18.000 Gulden angekauft. Eine Vielzahl dieser Mineralien ist auch heute noch in die ständige Schausammlung des NHM Wien integriert, da sie wie der vorliegende Schwazit hervorragende Qualität aufweisen.

Inventarnummer

Ak207

Saal / Vitrine

I / 37

Website Abteilung

NHM - Mineralogie-Petrographie

Website Sammlung

NHM - Sammlung Mineralien

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Zusatzinformation

Jakob Friedrich van der Nüll entstammte einer Kölner Kaufmannsfamilie, die sich um 1781 in Wien ansiedelte. Er wurde zunächst Oberbuchhalter im Bank- und Großhandelshaus Johann von Fries & Co. Später lernte er die Großhändler Philipp und Ignaz von Schwab kennen und wurde 1787 Gesellschafter dieses Familienbetriebes. Das Sammeln von Mineralien war vom 19. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts im Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum weit verbreitet. J. F. van der Nüll, war eine der berühmtesten privaten Sammlerpersönlichkeiten. Er machte sich durch seine phantastischen Kollektionen an literarischen Werken, zeitgenössischer Druckgraphik und Conchylien in der damaligen Wiener Bourgeoisie einen Namen. Seine Mineraliensammlung wurde von Zeitgenossen als die schönste und die bedeutendste im deutschsprachigen Raum gerühmt. Grund dafür sind unter anderem die große Anzahl an Goldstufen, Silber- und Tellurmineralien, sowie eine stattlich Anzahl an Diamanten. Im Lauf der Zeit geriet J. F. van der Nüll in Vergessenheit oder wurde oft mit seinem weitaus bekannteren, vermeintlichen Sohn, Eduard van der Nüll (1812-1868), dem Architekten der Wiener Staatsoper, verwechselt. Siehe dazu auch in die Themenschau NHM Wien, Saal IV / Wandvitrinen 186 - 188.

Zitate

Buchempfehlung: FLÜGEL, H. W.; HUBER, P.; HUBER, S.; MACHAN, A. (2011) Jakob Friedrich van der Nüll. Großbürger und Sammler in Wien an der Wende zum 19. Jahrhundert.- Verlag Naturhistorisches Museum Wien, 208 Seiten; ISBN: 978-3-902421-56-2
Literatur: ARLT, T. & DIAMOND, L.W. (1998): Composition of tetrahedrite-tennantite and “schwazite” in the Schwaz silver mines, North Tyrol, Austria. - Mineral. Mag., 62, 801-820.

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