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Herstellung der Wachsmodelle von Pilzen

Geformt oder mittels Guss hergestellt
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Franz Stoll und Johann Jaich, Halimasch, Wachsmodelle, vor 1806; Foto: NHN Wien
Franz Stoll und Johann Jaich, Halimasch, Wachsmodelle, vor 1806; Foto: NHN Wien

Wachsmodelle von Pilzen wurden entweder geformt oder mittels Guss hergestellt.

Ersteres Verfahren erfordert keine Gussform, sondern wird frei unter Verwendung von eingefärbten Bienenwachsblättern, geformt. Der Nachteil besteht in der Exaktheit des Modells, ein Abguss ist dem Original immer ähnlicher als eine frei modellierte Form.

Frei modellierte Pilzmodelle:

Frei modellierte Pilzmodelle bestehen meist aus zwei Teilen den Hut und den Stiel.

1) Für die Herstellung des Hutes, wird ein eingefärbtes Wachsblatt, im Fall des Fliegenpilzes ein zinnoberrotes Blatt, einmal gefalten.

2) Aus dem gefaltenen Blatt wird ein Kreis ausgeschnitten.

3) Man legt den Kreis in die Flache Hand und drückt mittels einen kleine Kolbens oder einer großen Stecknadel das Wachs in die gewünschte Form.

4) Für den Stiel nimmt man ein weiteres Wachsblatt, im Fall des Fliegenpilzes ein weißes, und knetet dieses zwischen den Fingern bis es die richtige Form hat.

5) Im nächsten Schritt wird der Stiel über einer Flamme erhitzt, sobald sich diese beginnt zu verflüssigen wird der Stiel in den Hut gedrückt.

6) Im vorletzten Schritt wird das Modell, mit Terpentinfarben und oder einem Gemisch Haarpuder und Pigmenten koloriert.

7) Im letzten Schritt wird das Modell gefirnisst

Herstellung von Pilzmodellen mittels Abguss :

1) Der Pilz wird mit einem Gemisch aus Öl (z.B. Mohnöl) und Seife, das als Trennmittel dient, eingestrichen

2) Vom Pilz wird eine mehrteilige Gipsform abgenommen

3) Das Innere der Formteile wird um den Gips abzudichten mit Lackfirnis eingestrichen.

4) Die Formteile werden zu einer Form zusammengesetzt

5) Das benötigte Wachs wird in einem Porzellangefäß über Feuer erhitzt bis es schmilzt.

6) Damit das Wachs nicht sofort erstarrt, wenn es in die Form gegossen wird, wärmt man die Gussform vor.

7) Das flüssige Wachs wird in die Form gegossen.

8) Nachdem das Wachs hart geworden ist, kann die Form geöffnet werden

9) Der Abguss wird mit erhitzten Modellierwerkzeug nachbearbeitet um z.B. die durch den Guss entstanden Grate zu entfernen.

10) Das Pilzmodell wird mit Terpentinfarben und oder einem Gemisch aus Haarpuder und Pigmenten koloriert

11) Im letzten Schritt wird das Modell gefirnisst

Anmerkung: Sas für den Abguss verwendete Wachs ist meist ein Gemisch aus Bienenwachs und Füllstoffen z.b. Gips oder Holzspänne. Um das Wachs flüssiger zu machen wurde es tlw. Auch mit Terpentin verdünnt. Die Füllstoffe im Wachs dienten nicht nur dazu das Volumen zu erhöhen, sondern sollten das Wachs auch weniger empfindlich gegenüber thermischen Einflüssen wie Hitze oder Kälte machen.

Jeder Wachsmodellierer hatte sein eigenes Wachsrezept, das meist geheim blieb und nur innerhalb des Betriebes bekannt war.

Die europäischen Zentren der Wachsmodellierer waren Bologna und Florenz.

Datierung

vor 1806

Fundort

Wien > Österreich

± 1 km vom NHM entfernt

Kurator

Christa Riedl-Dorn

Archiv für Wissenschaftsgeschichte

Abteilung / Sammlung

Archiv für Wissenschaftsgeschichte > Dingliche Quellen

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Zusatzinformation

Künstler: Franz Stoll und Johann Jaich

Herstellungsort: Wien

Technik: Wachsmodell

Material: Bienenwachs, Holz, Papier, Terpentinfarbe

Datierung: vor 1806

Zitate

Josef Meisl, Die Kunst der Wachsarbeit: eine kurze faßliche Anleitung, menschliche Figuren und alle Gegenstände des Thier- und Pflanzenreichs, so wie die Producte der Kunst, in Wachs bildlich darzustellen ; nebst einer Anweisung zur Schmelzung und Färbung des Wachses, Linz 1837
Christa Riedl-Dorn, Haus der Wunder – zur Geschichte des Naturhistorischen Museum, Wien 1998

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