Thema:  Nachlässe und Teilnachlässe

Theodor Kotschy – Reisepass

Historisches Ausweisdokument
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"Reisepass“, Druck und Handschrift, 29.12. 1835 – 03.10. 1843; Foto: NHM Wien
"Reisepass“, Druck und Handschrift, 29.12. 1835 – 03.10. 1843; Foto: NHM Wien
Rückseite: "Reisepass“, Druck und Handschrift, 29.12. 1835 – 03.10. 1843; Foto: NHM Wien
Rückseite: "Reisepass“, Druck und Handschrift, 29.12. 1835 – 03.10. 1843; Foto: NHM Wien

Theodor Kotschy wurde 1813 zu Ostrau bei Tetschen (heute: Decin) in Österreich-Schlesien, als Sohn eines evangelischen Predigers und späteren Pfarrers geboren. Er wuchs mit fünf Schwestern und zwei Brüder in ärmlichen Verhältnissen auf.

Er begleitete als Botaniker und Theologiestudent den Montanisten Joseph Russegger von Ägypten in die südliche Türkei – wo er das Taurusgebirge durchforschte – und in den Sudan (1836-1838). Er blieb bis 1840 in Afrika, sein Plan, tief ins Innere Afrikas vorzudringen konnte er nicht verwirklichen, da ihm jede weitere Unterstützung verweigert wurde. Im selben Jahr sammelte in Zypern auf Kosten des Konsuls Laurin. Es folgten von privaten Spendern geförderte Reisen durch Anatolien, Armenien, Irak und Persien, wo er den höchsten Berg dieses Landes, den Demawend, bestieg. Von Teheran aus wollte er die Rückreise nach Wien antreten, wurde aber von seinen vielen Gläubigern, darunter dem russischen Gesandten in Teheran, an seiner Abreise wegen noch nicht bezahlter Schulden gehindert.

Schließlich erhielt er 1843, nachdem auch Staatskanzler Metternich involviert wurde, doch die Erlaubnis, Teheran zu verlassen und kehrte zurück nach Wien. Hier wurde er noch im gleichen Jahr Volontär, 1847 Assistent und 1852 Custos-Adjunkt am k. k. Naturalienkabinett. In den Jahren 1853 bis 1862 führten ihn Sammlereisen in den südlichen Sudan (Kordofan und Senaar), nach Syrien, Mesopotamien und in die Gebirge Kurdistans. Er durchquerte vom Persischen Golf kommend den Iran bis zum Elbursgebirge. Dabei wurden seine Mittel völlig erschöpft und er selbst konnte schwer leidend nur mehr im letzten Moment gerettet werden.

Kotschy starb 1866 in Wien an Lungenentzündung.

Die Sammlungen von Theodor Kotschy umfassten etwa 600 000 Einzelbelege, das waren mehr, als bis dahin jemals ein einzelner Botaniker zusammengetragen hatte. zoologische, mineralogische und ethnologische Objekte. Durch seine Kartenverbesserungen, Höhenmessungen und Gebirgsstudien im Elbursgebirge und im Taurus wurde er zu einem der führenden Orographen.

Endlicher widmete dem Begründer der bis heute lebendig gebliebenen Tradition der Orientforschung am Naturhistorischen Museum, die Pflanzengattung Kotschya aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Neben vielen nach ihm benannten Pflanzenarten aus dem Orient und Sudan tragen auch einige Tiere seinen Namen, so eine "Vierecks-Krabbe" Epixanthus kotschyi von der Insel Karak (Khark) im Persischen Golf und der ägäische Nacktfingergecko Cyrtodactylus kotschyi.

Datierung

29.12. 1835 – 03.10. 1843

Fundort

Österreich

± 160 km vom NHM entfernt

Größe

48,1 x 64,3 cm

Kurator

Christa Riedl-Dorn

Archiv für Wissenschaftsgeschichte

Abteilung / Sammlung

Archiv für Wissenschaftsgeschichte > Nachlässe

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Zitate

Christa Riedl-Dorn. Theodor Kotschy. In: W. Seipel (hg.), Die Entdeckung der Welt, die Welt der Entdecker – österreichische Forscher, Sammler, Abenteurer, Wien 2001. S 256 -263

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