Thema:  Die Edelsteinsammlung

Türkis, Objekt in Form eines Talismans

Cu(Al,Fe)6(PO4)4(OH)8·4H2O, triklines Kristallsystem
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Türkis, Objekt in Form eines Talismans (J4887): Foto: A. Schumacher, NHM Wien
Türkis, Objekt in Form eines Talismans (J4887): Foto: A. Schumacher, NHM Wien

Dieser Türkis-Talisman ist von seltener Größe und Schönheit. Der himmelblaue Stein hat die Größe von ca. 12.5 x 11 x 4.5 cm. Der Steinschneider hat mit eingravierten Symbolen und persischen Schriftzeichen, die mit Gold ausgekleidet sind, geschickt versucht, Unreinheiten des Steins zu kaschieren. Die ca. 5 cm breite vergoldete und reich verzierte Fassung ist mit einer Reihe kleineren Türkis-Cabochons besetzt, trägt die Initialen des Kaisers FJ1, sowie den Namen des Künstlers "Mehdi Gassem, Mesched, Persien". Darüber hinaus enthält die Fassung ein persisches Gedichtchen.

Das Abendblatt "Freies Tirol“ vom 10. November 1915 berichtete über das außergewöhnliche Geschenk folgendes: [Auszeichnung eines Persers] Der in Wien lebende, den Besuchern der Jagdausstellung von seinem Atelier für künstlerische Bearbeitung von Türkisen bekannte Perser Mehdi Gassem hatte aus Anlaß des Geburtsfestes unseres Kaisers einen von ihm in der Art eines Glück und Sieg verheißenden riesigen Talismans bearbeitenden Türkis von seltener Größe und Schönheit zur Vorlage gebracht. Der Kaiser hat das echt persische Kunstwerk angenommen und ließ dem Künstler den kaiserlichen Dank aussprechen und eine mit dem Namenszuge in Brillianten gezierte Busennadel übermitteln. Der von dem Perser unterbreitete prachtvolle himmelblaue Stein vom Umfange eines Straußeneies ruht in einer breiten, von der Kaiserkrone überragten Goldeinfassung, die in der Reihe mit kleineren Türkisen besetzter Medaillons die Initialen des Namens unseres Kaisers, das nationale Wappen, die denkwürdigen Jahreszahlen 1914 und 1915 und dazwischen in erhabenen Schriftzügen ein von dem Künstler verfaßtes persisches Gedichtchen zeigt, das in schlichten, aber von Herzen kommenden Worten die Liebe der Mohammedaner zu unserem Kaiser zu beredetem Ausdruck bringt und in deutscher Uebertragung (vom Universitätsprofessor Doktor M. Bittner) folgenden Wortlaut hat:

O Kaiser von Österreich, König von Ungarn
Du Schützer des Rechts, es schütze Dich Gott !
Herzinniglich beten wir Moslem zum Schöpfer :
Gib Ihm deinen Beistand und Ihm gib den Sieg !

Datierung

1915

Fundort

klassische Lagerstätte Nishâpûr > Provinz Razavi Khorasan > Iran

± 3600 km vom NHM entfernt

Größe

12.5 x 11 x 4.5 cm

Kurator

Vera M. F. Hammer

Mineralogie-Petrographie

Abteilung / Sammlung

Mineralogie-Petrographie > Edelsteine

Sammlungseingang: 1915, vom Türkisschleifer Mehdi Gassem aus Mesched (heute Maschhad im Iran) an Kaiser Franz Joseph I. anlässlich seines 85. Geburtstages als Geschenk.

Inventarnummer

J4887

Saal / Vitrine

IV / linke Wandvitrine

Website Abteilung

NHM - Mineralogie-Petrographie

Website Sammlung

NHM - Sammlung Edelsteine

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Zusatzinformation

Mehdi Gassem hatte damals offenbar noch weitere Türkise in Wien in Umlauf gebracht. Denn etwa zur gleichen Zeit erhielt eine Wiener Hemden-Schneiderei mit Sitz in der Joanelligasse im 6. Wiener Gemeindebezirk in Dank und Anerkennung einen etwa halb so großen, wenn auch nicht so prachtvoll gefassten, aber dennoch ähnlich verzierten Türkis. Mehdi Gassem und angeblich auch der Schah von Persien, ließen hier Schneiderarbeiten durchführen. Vor einigen Jahren schon, wurde der Türkis von den betagten Damen der Schneiderei an einen im gleichen Haus lebenden Mineraliensammler weitergereicht. Aus diesem Privatbesitz gelangte das Objekt zu einer Auktion, bei der es mit finanziellen Mitteln der FREUNDE DES NATURHISTORISCHEN MUSEUMS ersteigert werden konnte. Es ist heute neben dem Talisman ausgestellt. Weiters befindet sich eine polierte Platte von "persischem Türkis" in der Vitrine, die bereits im Jahr 1906 angekauft wurde. Sie stammt ebenfalls vom weltberühmten Vorkommen von Nishapur im heutigen Iran, welches bereits im Reiseberecht von Marco Polo aus dem 13. Jahrhundert Erwähnung fand: "In den Bergen dieses Landes werden köstliche Steine gefunden, die wir Türkise nennen. Der orientalische Türkis kommt am häufigsten westlich von Herat bei Nischapur in der persischen Provinz Khorasan vor, er übertrifft an Schönheit und Wert die Steine, welche noch jetzt an verschiedenen Stellen Kiermans gefunden werden."

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