Thema:  Die Edelsteinsammlung

Edelsteinstrauß

Phantasieblüten und Phantasietiere
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Edelsteinstrauß (Aa2334): Foto: A. Schumacher, NHM Wien
Edelsteinstrauß (Aa2334): Foto: A. Schumacher, NHM Wien
Edelsteinstrauß (Aa2334): Foto: A. Schumacher, NHM Wien
Edelsteinstrauß (Aa2334): Foto: A. Schumacher, NHM Wien

Die barocke Miniatur-Edelsteinsammlung, besteht aus 61 glitzernden Phantasieblüten und 12 Phantasietieren. Laut einem Gutachten von Professor Walter Mican (1928-2008) aus dem Jahr 1997 sind dafür insgesamt 2.102 Diamanten und 761 farbige Edel- und Schmucksteine verarbeitet worden.

Steinbesatz: Diamant, Smaragd, Rubin, Saphir, Spinell, Topas, Aquamarin, Amethyst, Olivin, Granat, Turmalin, Opal, Türkis, Chrysoberyll, Chalcedon, Achat, Jaspis, Lapis Lazuli, Serpentin, Koralle, Perle, Molluskenschale

Die Vase ist aus Bergkristall geschnitten. Die filigranen Kleinstobjekte sowie die Blätter aus grünem Seidentaft sind auf Eisendrähten montiert. Ein besonders zauberhaftes Tierobjekt befindet sich mittig im obersten Teil des Bouquets: es stellt eine Biene dar, deren Flügel aus weißem Achat gefertigt sind. Der Kopf besteht aus braunem Augenachat, davor sind grüne Stielaugen aus kleinen Smaragden befestigt. Im Maul hat das Insekt einen Honigtropfen in Form eines gelben Diamanten. Da das Blumenbouquet über mehrere Jahrzehnte zwar in einer eigens dafür angefertigten, allerdings sonnseitig ausgerichteten Vitrine ausgestellt war, sie sind die Blätter leider stark ausgebleicht. Historischen Aufzeichnungen zu Folge dürften die einzelnen Blüten mehrfach umrangiert worden sein.

Datierung

um 1760

Fundort

Frankfurt am Main (Hanau) > Hessen > Deutschland Wien > Österreich

± 600 km vom NHM entfernt

± 1 km vom NHM entfernt

Größe

50 cm hoch

Kurator

Vera M. F. Hammer

Mineralogie-Petrographie

Abteilung / Sammlung

Mineralogie-Petrographie > Edelsteine

Sammlungseingang: Angeblich lies Maria Theresia den Edelsteinstrauß im Jahr 1764 als "kleine Namenstagsüberraschung“ für ihren Gemahl, Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, in dessen Mineralienkabinett stellen. Die Kaiserin unterstützte die Sammelleidenschaft für Mineralien ihres Gatten. Mit dem Edelsteinstrauß legte sie den Grundstein zu einer der bis heute traditionsreichsten und wertvollsten Sammlungen von Edel- und Schmucksteinen in Europa.

Inventarnummer

Aa2334

Saal / Vitrine

IV / linke Tresorvitrine, rechte Seite

Website Abteilung

NHM - Mineralogie-Petrographie

Website Sammlung

NHM - Sammlung Edelsteine

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Zusatzinformation

Laut Inventarbucheintrag aus dem Jahre 1823 wurde das 2,8 Kilogramm schwere und 50 Zentimeter hohe Blumenbouquet vom Wiener Hofjuwelier Michael Grosser (1700-1784) gefertigt. Grosser gehörte damals zur bürgerlichen Elite und stand wohl in enger Beziehung zum Kaiserhaus.

Glaubt man hingegen Goethes 4. Band "Aus meinem Leben“, so leistete der Frankfurter Juwelier Georg Gottfried Lautensack zumindest die Vorarbeiten für dieses einmalige Objekt:

"Da mein Vater sich nicht leicht eine Ausgabe erlaubte, die durch einen augenblicklichen Genuß sogleich wäre aufgezehrt worden, wie ich mich denn kaum erinnre, daß wir zusammen spazieren gefahren und auf einem Lustorte etwas verzehrt hätten: so war er dagegen nicht karg mit Anschaffung solcher Dinge, die bei innerm Wert auch einen guten äußern Schein haben. Niemand konnte den Frieden mehr wünschen als er, ob er gleich in der letzten Zeit vom Kriege nicht die mindeste Beschwerlichkeit empfand. In diesen Gesinnungen hatte er meiner Mutter eine goldne mit Diamanten besetzte Dose versprochen, welche sie erhalten sollte, sobald der Friede publiziert würde. In Hoffnung dieses glücklichen Ereignisses arbeitete man schon einige Jahre an diesem Geschenk. Die Dose selbst, von ziemlicher Größe, ward in Hanau verfertigt: denn mit den dortigen Goldarbeitern sowie mit den Vorstehern der Seidenanstalt stand mein Vater in gutem Vernehmen. Mehrere Zeichnungen wurden dazu verfertigt; den Deckel zierte ein Blumenkorb, über welchem eine Taube mit dem Ölzweig schwebte. Der Raum für die Juwelen war gelassen, die teils an der Taube, teils an den Blumen, teils auch an der Stelle, wo man die Dose zu öffnen pflegt, angebracht werden sollten. Der Juwelier, dem die völlige Ausführung nebst den dazu nötigen Steinen übergeben ward, hieß Lautensack und war ein geschickter muntrer Mann, der, wie mehrere geistreiche Künstler, selten das Notwendige, gewöhnlich aber das Willkürliche tat, was ihm Vergnügen machte. Die Juwelen, in der Figur, wie sie auf dem Dosendeckel angebracht werden sollten, waren zwar bald auf schwarzes Wachs gesetzt und nahmen sich ganz gut aus, allein sie wollten sich von da gar nicht ablösen, um aufs Gold zu gelangen. Im Anfange ließ mein Vater die Sache noch so anstehen; als aber die Hoffnung zum Frieden immer lebhafter wurde, als man zuletzt schon die Bedingungen, besonders die Erhebung des Erzherzogs Joseph zum Römischen König, genauer wissen wollte, so ward mein Vater immer ungeduldiger, und ich mußte wöchentlich ein paarmal, ja zuletzt fast täglich den saumseligen Künstler besuchen. Durch mein unablässiges Quälen und Zureden rückte die Arbeit, wiewohl langsam genug, vorwärts: denn weil sie von der Art war, daß man sie bald vornehmen, bald wieder aus den Händen legen konnte, so fand sich immer etwas, wodurch sie verdrängt und bei Seite geschoben wurde.

Die Hauptursache dieses Benehmens indes war eine Arbeit, die der Künstler für eigene Rechnung unternommen hatte. Jedermann wußte, daß Kaiser Franz eine große Neigung zu Juwelen, besonders auch zu farbigen Steinen hege. Lautensack hatte eine ansehnliche Summe, und, wie sich später fand, größer als sein Vermögen, auf dergleichen Edelsteine verwandt, und daraus einen Blumenstrauß zu bilden angefangen, in welchem jeder Stein nach seiner Form und Farbe günstig hervortreten und das Ganze ein Kunststück geben sollte, wert, in dem Schatzgewölbe eines Kaisers aufbewahrt zu stehen. Er hatte nach seiner zerstreuten Art mehrere Jahre daran gearbeitet, und eilte nun, weil man nach dem bald zu hoffenden Frieden die Ankunft des Kaisers zur Krönung seines Sohns in Frankfurt erwartete, es vollständig zu machen und endlich zusammenzubringen. Meine Lust, dergleichen Gegenstände kennen zu lernen, benutzte er sehr gewandt, um mich als einen Mahnboten zu zerstreuen und von meinem Vorsatz abzulenken. Er suchte mir die Kenntnis dieser Steine beizubringen, machte mich auf ihre Eigenschaften, ihren Wert aufmerksam, so daß ich sein ganzes Bouquet zuletzt auswendig wußte, und es ebenso gut wie er einem Kunden hätte anpreisend vordemonstrieren können. Es ist mir noch jetzt gegenwärtig, und ich habe wohl kostbarere, aber nicht anmutigere Schau- und Prachtstücke dieser Art gesehen. Außerdem besaß er noch eine hübsche Kupfersammlung und andere Kunstwerke, über die er sich gern unterhielt, und ich brachte viele Stunden nicht ohne Nutzen bei ihm zu. Endlich, als wirklich der Kongreß zu Hubertsburg schon festgesetzt war, tat er aus Liebe zu mir ein übriges, und die Taube zusamt den Blumen gelangte am Friedensfeste wirklich in die Hände meiner Mutter."

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