Thema:  Die Mineraliensammlung

Rauchquarz

SiO2, trigonales Kristallsystem
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Rauchquarz aus einer steilen Granitwand am Gletschhorn in ca. 3000 m Seehöhe; Foto: A. Schumacher, NHM Wien
Rauchquarz aus einer steilen Granitwand am Gletschhorn in ca. 3000 m Seehöhe; Foto: A. Schumacher, NHM Wien
Spektakuläre Bergung der Rauchquarze aus einem Quarzband oberhalb des Tiefengletschers; Holzschnitt 1868; Foto: Peter Seroka, Beitrag: Collector Bild: 1426459417
Spektakuläre Bergung der Rauchquarze aus einem Quarzband oberhalb des Tiefengletschers; Holzschnitt 1868; Foto: Peter Seroka, Beitrag: Collector Bild: 1426459417
Scan des Inventarbucheintrages, 1869, Posten XXV, die Inventarnummer wurde zu einem späteren Zeitpunkt vergeben; Foto: Mineralogisch-Petrographische Abteilung, NHM Wien
Scan des Inventarbucheintrages, 1869, Posten XXV, die Inventarnummer wurde zu einem späteren Zeitpunkt vergeben; Foto: Mineralogisch-Petrographische Abteilung, NHM Wien

Die Geschichte vom Riesenkristallfund am Tiefengletscher vom August 1868 im Kanton Uri ist heute noch genau so faszinierend wie vor 150 Jahren. Berner Kristallsucher bargen damals am Gletschhorn im Kanton Uri insgesamt 14,5 Tonnen Morion-Kristalle. Einer davon kann im Naturhistorischen Museum in Wien bewundert werden.

Im September 1867 machten vier Berner Alpinisten im Nachbarkanton Uri am Gletschhorn eine Bergtour. Es waren der Apotheker Rudolf Lindt und sein Bruder, der Arzt Wilhelm Lindt. Sie waren in Begleitung der beiden Bergführern Peter und Andreas Sulzer. Während eines Halts fiel ihnen am gegenüberliegenden, sonnenbeschienenen Hang ein helles, horizontal verlaufendes, ca. 50 m langes Quarzband auf, das den grauen Granit durchschlug. Peter Sulzer glaubte aus der Ferne mehrere dunkle Kluft-Öffnungen zu erkennen. Zwei Wochen später, stiegen Vater und Sohn Sulzer dann zur besagten Kluft-Wand hinauf, wo sie die ersten Belegstücke bergen konnten. Doch erst Ende Juli 1868 nach der Schneeschmelze, stieg Andreas Sulzer mit drei weiteren Strahlern aus dem Ort Guttannen, ausgerüstet mit schwerem Werkzeug und Sprengstoff, erneut zu der Stelle auf über 3.000 m Höhe hoch. Nach mehreren Sprengversuchen gelang es ihnen, eine größere Kluft zu öffnen. Die Funde übertrafen all ihre Erwartungen: Hauptsächlich große Kristalle mit vollkommenen Spitzen und von dunkler Farbe. Die Bergung der bis zu 1 Meter langen und bis zu 150 Kilogramm schweren Kristalle erwies sich in dem steilen Gelände als äußerst mühsam und schwierig. Dazu kam noch die Angst vor den lokalen Strahlern und der Beschlagnahme durch die Gendarmerie des Kanton Uri, war man doch auf fremden Territorium.

Um den Großteil des Tonnenschweren Fundes in Sicherheit zu bringen, wurden aus dem Heimatdorf Guttanen eine Menge Leute organisiert, die in einer Art Goldrausch-Stimmung mithalfen, die Kristalle in Windeseile abzutransportieren. Nur die größten 3 Kristalle musste man zurücklassen. Nicht alle 14,5 Tonnen der Rauchquarz-Kristalle konnten mit derselben Sorgfalt geborgen werden. Etwa 9 Tonnen wurden durch den hastigen Abtransport schwer beschädigt und dienten nur noch als Schleifware. Durch die dunkle Farbe erzielte man aber bei den Steinschleifern nicht den erhofften Erlös. Durch mehrere geschickte Verhandlungen erreichte der Schweizer Bankier und Politiker Friedrich Bürki-Marcuard (1819-1880), dass ihm von den Strahlern die schönsten Kristalle letztendlich zu einem angemessenen Preis überlassen wurden. Ihm ist es zu verdanken, dass einige dieser Prachtexemplare auch heute noch in europäischen Museen bewundert werden können. So überließ er dem Naturhistorischen Museum in Bern mehrere große Kristalle als Geschenk.

Gemeinsam mit seinem Freund, dem Geologen und Alpinisten Edmund von Fellenberg (1838-1902), wurde Kontakt zu anderen Museen und Institutionen aufgenommen, um die restlichen Kristalle zu verkaufen, weiterzuvermitteln oder auch einfach nur einen Ort zu finden, um sie der Öffentlichkeit zu präsentieren. So finden sich heute noch weitere große Kristalle dieses Fundes auch in anderen Schweizer Sammlungen, darunter in Genf, Winterthur, Basel, St. Gallen, Aarau und der ETH Zürich. Rauchquarze dieses Fundes gingen auch an die Bergakademie in Freiberg, nach Budapest und Stockholm. Viele Kristalle dieses einzigartigen Fundes gelten heute allerdings als verschollen, da man über ihren Verbleib nichts mehr in Erfahrung bringen kann.

Datierung

1868

Fund 1868; Sammlungseingang 1869

Fundort

Tiefengletscher (nördl. Furkastraße; ca. 3000m Seehöhe) > Kanton Uri > Schweiz

± 600 km vom NHM entfernt

Größe

115 kg, 64 x 34 cm

Abteilung / Sammlung

Mineralogie-Petrographie > Mineralien

Sammlungseingang: Der Direktor der Schiefer-Bergbau-Aktiengesellschaft in Marienthal bei Olmütz, Max Machanek (1831-1893), kaufte den Kristall und überließ ihn dem Mineraliencabinet in Wien als Geschenk, wo er 1869 inventarisiert wurde. Eine zugehörige Inventarnummer erhielt der Kristall erst 1993.

Inventarnummer

M6484

Saal / Vitrine

I / große Mittelvitrine

Website Abteilung

NHM - Mineralogie-Petrographie

Website Sammlung

NHM - Sammlung Mineralien

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Zusatzinformation

Dieses besondere Exemplar eines Rauchquarzes war eigentlich für das Musée National d'Histoire Naturelle in Paris vorgesehen, konnte allerdings durch Ablehnung des dortigen Unterrichtsministeriums nicht angekauft werden. Auf Vermittlung von Friedrich Bürki-Marcuard (1819-1880) gelangte der Kristall nun nach Wien. Der Direktor der Schiefer-Bergbau-Aktiengesellschaft in Marienthal bei Olmütz, Max Machanek (1831-1893) erwarb den Kristall für 600 Gulden und überließ ihn dem Mineralien Kabinett in Wien als Geschenk, wo er im Inventarbuch des Jahres 1869 als "Bergkristall“ aufscheint, aber vorerst keine Inventarnummer erhielt. Bei einer Inventur im Jahre 1993 vergab man eine entsprechende Nummer und ließ den Kristall auf einer schmiedeeisernen Halterung montieren. Sein Gewicht von 206 Pfund entspricht etwa 115 Kilogramm, die Höhe von 24 Zoll etwa 64 cm und sein maximaler Durchmesser von 13 Zoll könne mit 34 cm angegeben werden.

Wir nehmen das 150 Jahr-Jubiläum des Fundes zum Anlass, um auf dieses besondere Objekt und auf das großzügige Mäzenatentum der Vergangenheit aufmerksam zu machen.

Zitate

WILSON, W.E. (1984): Great Pockets: The Tiefengletscher Quartz Grotto.- The Mineralogical Record, Vol. 15/ 4, p. 253-255.
Müller, B. & P. Reith. (2013): Uri. Kristalle aus dem Kanton Uri, Schweiz. Die große Kristallhöhle am Tiefengletscher; Extra Lapis: p.60-63.
Gnos, E. (2018): 150 Jahre Morionfund am Tiefengletscher, Uri (Teil 1); Schweizer Strahler, 1, p.18-25.
Gnos, E. (2018): 150 Jahre Morionfund am Tiefengletscher, Uri (Teil 2); Schweizer Strahler, 1, p.19-27.
Papp, G.: http://publication.nhmus.hu/NatEu/HNHM_Geology/Nagyapo_PappG.pdf
GERBER, E. (1939): Über die schwarzen Bergkristalle im naturhistorischen Museum in Bern.-Berner Woche, Nr. 50, p.1325–1330.
INDERGAND-HELFENSTEIN, P. (2009). Historische Kristallfunde im Kanton Uri (Teil 2).- Schweizer Strahler, Nr.2, p.40-44.
ANONYMUS (1995): . . . Rabenschwarze Spiegel Über die schwarzen Bergkristalle im Naturhistorischen Museum Bern.- Mineralien-Welt 6/95, p.56-61.

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