Thema:  Zweiflügelige Insekten

Die Madentherapie

Insekten als Wundheiler
"Bio Bag“ mit Madeninhalt; Foto: NHM Wien
"Bio Bag“ mit Madeninhalt; Foto: NHM Wien
Kleiner nekrophiler Feinspitz; Foto: NHM Wien
Kleiner nekrophiler Feinspitz; Foto: NHM Wien

Wem wir es nicht schon bei dem Gedanken mulmig, dass kleine, längliche, weißgelbliche Geschöpfe an seinem Fleisch krabbeln und knabbern, selbst wenn es zu einer verbesserten Wundheilung beitragen soll. Großflächige, schwer heilende Blessuren mit abgestorbenem, also nekrotischem Gewebe sind ihr Einsatzgebiet, gesundes Gewebe lassen sie verschont. Schon im Altertum haben Ärzte die Heilkraft dieser Zweiflügler-Larven erkannt. Mit der Erfindung von Antibiotika gerieten die biologischen Wundheiler jedoch weitgehend in Vergessenheit. Oft war auch die Abneigung der betroffenen Patienten mit ein Grund dafür. Während im ersten Weltkrieg noch schwere Verletzungen auf diese Weise behandelt wurden, fand sie im letzten Jahrhundert kaum noch Anwendung. Es ist noch nicht sehr lange her, dass Mediziner diese Art der Wundtherapie wieder aufgegriffen haben. Seit 1996 werden in Deutschland die Larven, meist von der Goldfliege oder Grünen Schmeißfliege Lucillia sericata (Calliphoridae), unter sterilen Bedingungen gezüchtet. Vor allem chronische, belegte und entzündliche Wunden sind der klassische Einsatzbereich dieser Biochirurgen. Selbstverständlich kann abgestorbenes Gewebe, welches eine erfolgreiche Heilung oft stark verzögert, auch mit einem herzhaften chirurgischen Eingriff mit dem Skalpell oder mit speziellen Enzymen entfernt werden. Die kleinen nekrophilen Feinspitze (siehe Abbildung: 2) haben aber den Vorteil, dass sie ein Sekret freisetzen mit dem das tote Gewebe auflöst wird. Wie es sich für eine ordentliche Made schickt wird diese so entstandene Nährlösung auch sorgfältig verputz und damit die Wunde penibel gereinigt. Außerdem enthält diese Absonderung Substanzen, die selbst hartnäckige, multiresistente Bakterien wie Staphylokokken, abtöten.

Bleibt nur noch die Frage, lassen wir sie frei auf der Wunde herumwuseln oder sollen die Larven unterhalb eines Sichtschutz agieren. Meist wird Sichtschutzbehandlung bevorzugt. Hierfür wird mit einem Streifen Feuchtigkeitsgel entlang des Wundrandes verhindert, dass die Maden den vorgesehenen Arbeitsbereich nicht vorzeitig verlassen können. Dann werden Teebeutelähnliche "Bio Bags“ mit Madeninhalt (siehe Abbildung 1) angebracht, bei größeren Blessuren oft mehrere nebeneinander. Nach drei Tagen werden die Larven wieder ausgespült.

Eine Fliegenmaden-Therapie kann die Wundheilung erheblich verbessern. Auch bei schwer zugänglichem abgestorbenen Gewebe bei Verletzungen an den Sehnen kann eine Madenbehandlung gut eingesetzt werden. Oft kann bei Patienten mit diabetischen Geschwüren an den Unterschenkeln und Füßen auch eine Amputation verhindert werden.

Als Nebenwirkung kann es bei einigen leidenden Menschen zu zusätzlichen Wundschmerzen kommen, die jedoch mit Schmerzmitteln leicht zu beseitigen sind.

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2. Zoologie (Insekten) > Diptera

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NHM - 2. Zoologie (Insekten)

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