Thema:  Meteoriten >  Forschungsprojekt: "Akzessorien in Meteoriten“

Zirkon in differenzierten Meteoriten

ZrSiO4, tetragonales Kristallsystem
Zusammengesetzte Rückstreuelektronen-Bilder von zwei Vertretern der Eukrite -extraterrestrische Basalte, welche vermutlich von einem großen differenzierten Asteroiden stammen, mit je einem Beispiel von einem Zirkon. Eukrite bestehen vor allem aus Feldspat und Pyroxen. Zu den typischen Akzessorien in Eukriten zählen: Ilmenit, Chromit, Troilit, SiO2-Minerale, Calcium-Phosphate, Baddeleyit und Zirkon; Foto: NHM Wien
Zusammengesetzte Rückstreuelektronen-Bilder von zwei Vertretern der Eukrite -extraterrestrische Basalte, welche vermutlich von einem großen differenzierten Asteroiden stammen, mit je einem Beispiel von einem Zirkon. Eukrite bestehen vor allem aus Feldspat und Pyroxen. Zu den typischen Akzessorien in Eukriten zählen: Ilmenit, Chromit, Troilit, SiO2-Minerale, Calcium-Phosphate, Baddeleyit und Zirkon; Foto: NHM Wien
Detailaufnahme des Eukriten Jonzac (Inventarnr: A419), in dem die typische graue Gesteinsmatrix, hauptsächlich zusammengesetzt aus Feldspat (in hellgrau) und Pyroxen (in dunkleren Grautönen) gut erkennbar ist. In den Zwickeln dieser beiden gesteinsbildenden Minerale befinden sich weitere akzessorische Minerale, wie z.B. Sulfide, Oxide und auch Zirkon, welcher u.a. zur Altersdatierung genutzt werden kann; Foto: NHM Wien
Detailaufnahme des Eukriten Jonzac (Inventarnr: A419), in dem die typische graue Gesteinsmatrix, hauptsächlich zusammengesetzt aus Feldspat (in hellgrau) und Pyroxen (in dunkleren Grautönen) gut erkennbar ist. In den Zwickeln dieser beiden gesteinsbildenden Minerale befinden sich weitere akzessorische Minerale, wie z.B. Sulfide, Oxide und auch Zirkon, welcher u.a. zur Altersdatierung genutzt werden kann; Foto: NHM Wien
Bruchstück des Jonzac Meteoriten (Inventarnr: A146) mit gut erhaltener Schmelzkruste. Jonzac gehört zur Gruppe der sogenannten Eukrite und ist ein beobachteter Meteoritenfall in Frankreich aus dem Jahr 1819. Das hellgraue Gestein hebt sich stark von der schwarz glänzenden Schmelzkruste ab und beherbergt neben zahlreichen anderen Mineralen auch mikroskopisch kleine Zirkonkörner, welcher in der typischen Größe von 0,005 . 0,02 mm mit dem bloßen Auge allerdings kaum zu erkennen sind.; Foto: NHM Wien
Bruchstück des Jonzac Meteoriten (Inventarnr: A146) mit gut erhaltener Schmelzkruste. Jonzac gehört zur Gruppe der sogenannten Eukrite und ist ein beobachteter Meteoritenfall in Frankreich aus dem Jahr 1819. Das hellgraue Gestein hebt sich stark von der schwarz glänzenden Schmelzkruste ab und beherbergt neben zahlreichen anderen Mineralen auch mikroskopisch kleine Zirkonkörner, welcher in der typischen Größe von 0,005 . 0,02 mm mit dem bloßen Auge allerdings kaum zu erkennen sind.; Foto: NHM Wien

Zirkon mit der chemischen Formel ZrSiO4 gehört zu der Mineralklasse der Silikate und ist in vielen verschiedenen irdischen Gesteinen als akzessorisches Mineral vertreten. Zirkon ist über weite Temperatur- und Druckbereiche und damit unter vielen geologischen Prozessen und auch gegenüber Verwitterung stabil. In extraterrestrischen Gesteinen kommt Zirkon allerdings nur sehr selten und typischerweise in Größen von 0,001-0,03 mm vor. Ebenso ist das Vorkommen auf nur wenige Meteoritengruppen beschränkt, wie zum Beispiel die Gruppe der Howardite-Eukrite-Diogenite (HED), Mondmeteorite (und Mondgesteine), Mesosiderite (Gruppe von Stein-Eisen-Meteorite), und einige wenige Vertreter von Marsmeteoriten. Grund dafür ist der oft niedrige Gehalt an dem Element Zirkonium (Zr) in den Ursprungsschmelzen und die geringe Silizium-Aktivität in den meisten Meteoritengruppen, welche für die Kristallisation von Zirkon benötigt wird. Zirkone bilden sich durch Anreicherung von Zr in den Restschmelzen von Gesteinen. Sie nehmen bei ihrer Kristallisation sogenannte inkompatible Elemente in ihre Kristallstruktur auf, welche reaktionsträge sind oder auf Grund ihrer Größe und Ladung oft nicht in andere Kristallstrukturen passen. Diese Elemente, wie z.B. Uran, Thorium, Hafnium und Seltene Erd-Elemente (SEE), sind jedoch von großer geologischer Relevanz, da sie primär für Altersdatierung, der Rekonstruktion der thermischen Entwicklungsgeschichte und der Impaktereignisse der Meteoritenmutterkörper (große, differenzierte Asteroide und Mars) dienen. Daher sind extraterrestrische Zirkone von besonderer Bedeutung für die Meteoritenforschung.

Weitere Meteorite aus der Gruppe der Howardite-Eukrite-Diogenite (HED) sind in Saal V in den Pultvitrinen 89-92 zu sehen.

Kurator

Ludovic Ferrière

Mineralogie-Petrographie

Verfasser

Julia Walter-Roszjár

Abteilung / Sammlung

Mineralogie-Petrographie > Meteoriten

Inventarnummer

A146, A419

Saal / Vitrine

V / 92

Website Abteilung

NHM - Mineralogie-Petrographie

Website Sammlung

NHM - Sammlung Meteoriten

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Zusatzinformation

Auf der Erde ist Zirkon mit einem Alter von bis zu ca. 4,4 Milliarden Jahren das älteste bekannte Mineral und damit zur Rekonstruktion der erdgeschichtlichen Entwicklung von großer Bedeutung.

Neben Zirkonen treten in Meteoriten auch andere Zirkonium-haltige Mineralphasen auf, z.B. Baddeleyit, Zirkonolith, Zr-Armalkolit, Sc-Ti-Zr-Oxide und ZrC. Letztere repräsentieren eine Gruppe der sogenannten präsolaren Körner, welche sich bereits außerhalb des Sonnensystems gebildet haben und damit älter sind als unser Sonnensystem. Diese Körnchen sind in einigen Vertretern der Kohligen Chondrite erhalten geblieben.

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